Wolle färben

faerbenIch färbe meine Rohwolle fast immer vor dem Spinnen. Es gibt eigene Wollfarben, die mit Säure (Haushaltsessig, Zitronensäure) fixiert werden und somit nicht ausbleichen. Aber auch das Färben mit Lebensmittelfarben wie z.B. Ostereierfarben funktioniert sehr gut und bringt wunderschöne Farb-Ergebnisse.

faerben2Das Wollefärben ist zeitintensiv – meine Küche ist für einen Tag blockiert, überall stehen Farbmischungen und es riecht nach Essig und nach nasser Wolle (und auch ein bisschen nach Schaf). Aber ich liebe diese Tätigkeit genauso wie das Spinnen. Es ist spannend zuzusehen, wie sich die Farben mischen und die Fasern die Pigmente aufnehmen. Das Wasser, in das die Rohwolle eingelegt wird und in das die Farben zugegeben werden, muss während des Färbeprozesses sehr heiß sein, aber immer unter dem Siedepunkt gehalten werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Fasern verfilzen.

Je nach Farbintensität und Faser dauert es zwischen 15 Minuten und einer knappen Stunde, bis die Rohwolle die Farbe komplett aufgenommen hat, d.h. wenn das Wasser wieder klar ist, ist die Färbung abgeschlossen. Dann nehme ich die heiße Wolle aus dem Färbebad – am wichtigsten ist jetzt, die Fasern langsam abkühlen zu lassen und sie auf keinen Fall zu bewegen. Die Gefahr des Verfilzens ist auch jetzt wieder sehr groß. Ich muss also sehr geduldig sein!

Gefärbte Stränge trocknen in der Sonne Sind die – mittlerweile bunten – Wollfasern abgekühlt, wasche ich die überschüssige Farbe aus bis das Wasser klar ist. Jetzt halte ich zum ersten Mal die gefärbten Faserstränge in der Hand – und bin jedes mal überrascht. Die Farbmischungen gelingen fast immer, manche Experimente und Farbkombinationen lassen mich wirklich staunen! Die Ergebnisse sind nicht immer so, wie ich sie mir vorgestellt habe – aber immer wieder wunderschön und einzigartig. Es ist mir noch nie gelungen, zwei exakt gleiche Stränge zu färben, auch wenn ich mich darum bemühe und die Rezepturen für Farbmischungen mitschreibe – es gibt ähnliche Farbmischungen, aber niemals identische Farbtöne.

Dann wasche ich die Stränge noch in Wollwaschmittel, damit sich der Essiggeruch gänzlich verflüchtigt und die Fasern weich werden.

Zum Trocknen kommt die gefärbte Rohwolle auf die Wäscheleine – und dabei entfaltet sich die ganze Leuchtkraft der Farben.

Nochmals spannend wird es dann am Spinnrad. Durch das Ausziehen der Fasern verändern und vermischen sich die Farbtöne noch etwas und durch das Verzwirnen zweier Fäden entsteht wieder ein neues Zusammenspiel der Farben. Die fertige Wolle sieht immer ein bisschen anders aus als die Fasern, die ich färbe.