Handspindel

HandspindelDas Handspinnen ist eine der ältesten Handarbeitstechniken. Bereits in der Jungsteinzeit wurden mithilfe der Handspindel Fasern versponnen und somit Garn hergestellt. Die Technik des Spinnens mit der Handspindel hat sich bis heute nicht verändert. Tierische oder pflanzliche Fasern werden gereinigt, gekämmt und dann – vereinfacht ausgedrückt – miteinander verdreht, um einen reißfesten Faden herzustellen.  handspindel2

Nur wenige Handgriffe, die ineinander übergehen, sind dafür notwendig: die losen Fasern auseinander ziehen, die Spindel in Bewegung setzten (und in Drehung halten!) und den Drall aus der Bewegung in die Fasern weiterleiten.

Spinnrad

traditional-lrgErst Ende des 15. Jahrhunderts wurde das Spinnrad erfunden – zuerst mit Handbetrieb, später mit Pedal. Es ist somit möglich, schneller zu spinnen, da durch das gleichmäßige Drehen des Schwungrades der Drall in die Fasern weitergegeben wird und der Faden gleich direkt auf die Spule aufgewickelt wird. Aber auch mit Hilfe des Spinnrades bleibt das Spinnen noch immer eine Handarbeit.

spindelNicht zu vergessen sei, dass schon bald für viele Frauen vor allem im ländlichen Bereich das Spinnen von Wolle eine der ersten Formen der Heimarbeit war und sie mit der Arbeit an ihrem Spinnrad etwas Geld verdienen konnten.

Die Erfindung der Spinnmaschine war Teil der beginnenden Industriellen Revolution, die vor allem im Textilbereich sehr große Änderungen nach sich zog. Die Bedeutung des Spinnrades ist immer mehr in den Hintergrund getreten, Garn und Wolle waren ab diesem Zeitpunkt Massenprodukte, die schnell und in großen Mengen hergestellt werden konnten.

 

unterschiedliche Spinnfasern

Tierische Fasern

Flock_of_sheepDie bekannteste tierische Faser ist wohl die Schafwolle. Aber Schaf ist nicht gleich Schaf! Wie beim allen Tieren gibt es auch hier verschieden Rassen und dementsprechend unterschiedlich ist  die Wolle. Ich verwende unter anderem die Fasern des Merinoschafes, sie sind  weich und lassen sich gut färben. Besonders gerne arbeite ich auch mit  BFL-Fasern, die Wolle des Blue Faced Leicester -Schafes, weil sie sich sehr gut ausziehen lassen und einen leichten Glanz haben. Auch Polwarth-Wolle habe ich schon mehrmals versponnen – sie hat sehr gute Spinneigenschaften und ist die kuscheligste Wolle, die ich kenne. Sie ist die ideale Faser für all jene Menschen, die sonst keine Wolle am Körper tragen können, weil sie zu kratzig ist. Die sogenannte Eiderwolle (von Schafen aus Norddeutschland) ist nicht ganz so weich, dafür aber sehr robust und für mich die ideale Sockenwolle.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEbenfalls gut zu verspinnen aber etwas teurer sind Edelfasern: Alpaka, Babyalpaka, Kamelhaar, Kaschmir, Yakhaar, Angora, Mohair, Maulbeerseide … sind die bekanntesten unter ihnen. Ich habe schon viele dieser Fasern versponnen und muss sagen – nicht nur die fertige Wolle ist wunderbar weich, sondern auch das Arbeiten mit den Edelfasern am Spinnrad ist purer Genuss. Kidmohair und Babyalpaka sind – was den Begriff ‚edel‘ betrifft – einfach unschlagbar!

Seide verwende ich sehr häufig zum Mischen mit anderen Fasern, vor allem die Kombination von Merino mit Seide hat sich sehr gut bewährt. Die Wolle erhält einen leichten Glanz und die fertigen (gestrickten / gehäkelten) Stücke haben eine sehr feine und seidig-zarte Textur.

 

Pflanzliche Fasern

Baumwolle, Hanf, Ramie, Flachs (Leinen), Bambus, Sojafasern sind pflanzliche Fasern, die am Spinnrad zu Garn versponnen werden können. Die Textur ist jeweils sehr unterschiedlich, die Spinneigenschaften ebenso. Ich habe die meisten dieser Fasern schon ausprobiert, manche (wie z.B. Leinen) spinnen sich sehr gut und lassen sich sehr dünn ausziehen, andere wie z.B. die Baumwolle sind sehr kurzfasrig – da brauche ich noch viel Übung, bis ich ein brauchbares Garn herstellen kann.